Annas Geschichte

  • Anna ist acht Jahre alt und lebt bei ihrer Mutter.
  • Annas Eltern sind geschieden, und obwohl Anna ihren Vater nicht jeden Tag sieht, bleibt sie jedes zweite Wochenende bei ihm.
  • Vor einigen Wochen nahm sie ihre Mutter, die Spanierin ist, mit nach Spanien, um sie bei Annas Großmutter unterzubringen.
Anna's Story Finding Home Liverpool
  • Nach ein paar Wochen in Spanien rief ihre Mutter Annas Vater an, um ihm mitzuteilen, dass sie beschlossen hatten, in Spanien zu bleiben, um in der Nähe ihrer spanischen Familie zu leben (wohnen zu bleiben).
  • Annas Mutter hat eine Schule für Anna gefunden und ist überzeugt, dass sie dort sehr glücklich sein wird, aber Annas Vater möchte, dass Anna nach England zurückkehrt und weiterhin bei ihm lebt.
  • Anna kommt in eine neue Grundschule in Spanien, und obwohl sie ihre Freunde in England vermisst, gefällt es ihr dort.
  • Annas Vater hat das Gericht gebeten, ihm bei der Lösung der Streitigkeiten (Uneinigkeit) zu helfen
  • Das Gericht möchte wissen, was Anna von einer Rückkehr nach England hält.
  • Anna wird gebeten, ihre persönliche Meinung dazu einer Frau mitzuteilen, die die Gerichte dabei unterstützt, Kinder anzuhören.
  • Anna erzählt der Frau, dass sie ihren Vater vermisse, aber sie glaubt, dass sie gerne in Spanien bei ihrer Mutter und Großmutter bleiben und ihren Vater gerne in den Schulferien sehen würde.
  • Anna hat Angst, dass sie ihre Meinung nach einer Weile ändern könnte und hat Angst, ihren Vater zu verärgern.

Eine kurze Zusammenfassung darüber, wie es das Gesetz sieht:

  • Wenn ihre Mutter Anna in Spanien festhält, ohne dass ihr Vater dem zustimmt oder ohne die Erlaubnis eines Richters, dann handelt es sich hierbei um eine „Entführung durch einen Elternteil“, und diese verstößt gegen das Gesetz.
  • Der Richter wird sich anhören, was Anna dazu zu sagen hat, aber er wird auch viele andere Faktoren in seine Überlegungen miteinbeziehen und dann entscheiden, was das Beste für sie ist.

Dieses Rechtsgebiet ist kompliziert. Klicke auf die einzelnen Fragen, um eine ausführliche Zusammenfassung der gesetzlichen Bestimmungen zu erhalten:

Wenn Du eine enge Beziehung zu beiden Elternteilen hast (so dass beide Elternteile über ein sogenanntes Sorgerechtverfügen [Hierbei handelt es sich um eine gerichtliche Entscheidung, die festlegt, bei welchem Elternteil die Kinder leben sollen und wieviel Kontakt sie mit dem anderen Elternteil haben sollen, der nicht bei ihnen lebt]), darf Dich ein Elternteil laut Gesetz nicht ohne die Zustimmung des anderen Elternteils oder die eines Richters in ein anderes Land bringen.

Wenn Kinder ohne die Zustimmung des anderen Elternteils oder ohne die Erlaubnis des Gerichts in ein anderes Land gebracht werden, dann nennt das Gesetz dies „Entführung durch einen Elternteil“, weil es sich dabei um ein unrechtmäßiges Verbringen (Zurückhalten) handelt. Das Gesetz besagt, dass es sich auch um eine Entführung durch einen Elternteil handelt, wenn der andere Elternteil zustimmt, dass das Kind in ein anderes Land mitkommt, aber das Kind am Ende der Reise nicht zurückgebracht wird, so wie es bei Anna der Fall war. Wir nennen dies unrechtmäßiges Zurückhalten“.

Wir hoffen, dass ihr euch als Familie darauf einigen könnt, wo Du leben wirst. Wenn Du und deine Eltern sich nicht einigen können, wird ein sogenannter Mediator [eine Person, die nicht Partei ergreift und den Parteien hilft, eine einvernehmliche Lösung für ihren Streit zu finden] hinzugezogen, der Dir und deiner Familie hilft, gemeinsam eine Entscheidung zu treffen. Wenn sich deine Eltern dann immer noch nicht einigen können, wird ein Richter eine Entscheidung treffen müssen. Das Haager Übereinkommen von 1980 (wir nennen es das Übereinkommen) gilt zwischen den Ländern, die dem Übereinkommen angehören.

Obwohl das Übereinkommen die Rückführung von Kindern unterstützt, gibt es einige wichtige Situationen, in denen ein Richter entscheiden kann, dass Du nicht in das Land zurückkehren musst, in dem Du zuvor gelebt hast (diese Fälle bezeichnen wir als Ausnahmen von der Rückführung)

Klicke hier!, um zu erfahren, was diese „Ausnahmen von der Rückgabe“ im Einzelnen bedeuten!

Artikel 12 des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes von 1989 (UN-Kinderrechtskonvention) legt fest, dass Kinder das Recht haben, in Angelegenheiten, die sie betreffen, angehört zu werden. In einigen Ländern wollen die Gerichte in jedem Fall die persönliche Meinung der Kinder gemäß der Regelungen des Übereinkommens hören. In anderen Ländern wollen die Gerichte nur die Kinder anhören, die nicht in das Land zurückgeschickt werden wollen, in dem sie zuvor gelebt haben. Aber bedenke, dass Du ein Recht darauf hast, angehört zu werden und dass Du dieses Recht einfordern kannst.

Jedes Land verfügt über unterschiedliche Vorschriften, wie und wann Kinder dem Richter ihre persönliche Meinung mitteilen dürfen. In einigen Ländern werden Kinder schon im Alter von sechs Jahren vom Gericht angehört. In anderen Ländern hingegen werden nur ältere Kinder um ihre persönliche Meinung gebeten. Es mag ungerecht erscheinen, dass unterschiedliche Regeln angewandt werden, aber das liegt daran, dass die Konvention in mehr als 100 Ländern gilt und jedes Land die Dinge etwas anders handhabt. Du solltest die Erwachsenen, die an deinem Fall beteiligt sind, fragen, welche Regeln in deinem Fall zur Anwendung kommen.

In jedem Land werden Kinder sehr unterschiedlich angehört. Die drei häufigsten angewandten Formen der Anhörung sind, wenn der Richter direkt mit dem Kind spricht;

  • wenn der Richter direkt mit dem Kind spricht;
  • wenn andere Fachleute vom Gericht gebeten werden, mit dem Kind zu sprechen, um dem Gericht zu berichten, was es ihnen mitgeteilt hat;
  • wenn Kindern jemand zur Seite gestellt wird, der sie und ihre Rechte vertritt, um dem Gericht mitzuteilen, was sie sich wünschen (manchmal handelt es sich hierbei um einen Anwalt, Fürsprecher oder Vormund).

In einigen Ländern wird die persönliche Meinung des Kindes mit einer, zwei oder allen drei Methoden angehört.

Die Person, die Du triffst, ist freundlich und hat normalerweise schon mit vielen Kindern in einer ähnlichen Situation gesprochen. Sie oder er wird Dir erklären, warum sie oder er gebeten wurde, sich mit Dir zu treffen. Er oder sie wird alle deine Fragen beantworten und Dich um deine persönliche Meinung bitten. Am Ende des Treffens erhält das Gericht einen Bericht darüber, wie Du persönlich darüber denkst, wenn Du in das Land zurückkehrst, in dem Du zuvor gelebt hast.

Der Ausschuss für die Rechte des Kindes besteht aus einer Gruppe von Experten aus der ganzen Welt, die die Länder dabei berät, wie sie sicherstellen können, dass Kinder ihre Rechte gemäß der UN-Kinderrechtskonvention wahrnehmen können. Der Ausschuss betont, dass Kinder sich nicht gezwungen fühlen sollten, eine Wahl treffen zu müssen. Sage der Person, die Dich um deine persönliche Meinung bittet, einfach, dass du keine Wahl treffen möchtest, wo oder bei wem du leben möchtest, sondern dass es Dir lieber wäre, diese Entscheidung den Erwachsenen zu überlassen.

Du kannst Dich persönlich dazu äußern, was Du Dir für deine Zukunft wünschst, aber Du musst deswegen nicht vor Gericht erscheinen. Immer mehr Fälle wurden aufgrund der Covid-19-Pandemie online verhandelt.

In einigen Ländern wird man Dich in den Gerichtssaal oder zu einer Online-Sitzung einladen. Wenn Du aber beides nicht möchtest, dann teile dies der Person mit, mit der Du darüber gesprochen hast, was Du persönlich über die Situation denkst.

Es besteht ein Unterschied zwischen dem Richter, der sich deine persönliche Meinung „anhört“ und dem Tatbestand, wie sie „umgesetzt wird“. Der Richter ist derjenige, der entscheidet, ob Du in dem neuen Land bleibst oder in das Land zurückkehrst, in dem Du zuvor gelebt hast.

Damit der Richter richtig entscheiden kann, wird er wissen wollen, dass es sich wirklich um deine eigene Meinung handelt und Du nicht von anderen Personen beeinflusst worden bist, und dass Du Dir Darüber im Klaren bist, wie sich deine Entscheidung auf deine Zukunft auswirken kann.

Selbst wenn der Richter akzeptiert, dass Du nicht zurückkehren willst und Du Dir der Konsequenzen deiner Entscheidung wirklich bewusst bist, muss der Richter deine persönliche Meinung gegen andere wichtige Faktoren abwägen, insbesondere dann, wenn er überzeugt ist, dass es zu deinem Besten ist. Der Richter wird all diese und andere Faktoren zusammen mit deiner persönlichen Meinung abwägen und entscheiden, ob Du in das Land zurückkehrst, in dem Du zuvor gelebt hast, oder in dem neuen Land bleiben wirst.

Es ist üblich, dass deine persönliche Meinung, die Du vor Gericht geäußert hast, in einem Bericht festgehalten wird, der allen an dem Fall beteiligten Personen übermittelt wird. Aber dies solltest du mit der Person besprechen, die Du triffst, um ihr deine persönliche Sicht der Dinge mitzuteilen.